Wer ich bin

Ich könnte hier freilich schreiben: Ich bin, der ich bin, was auch nicht verkehrt wäre. Eigentlich wäre es sogar eine korrekte Beschreibung. Aber ich kenn ja die Neugier Anderer und dann nehme ich mir einfach mal unseren Messias zum Vorbild (was nie verkehrt ist!).

Was wissen wir über unseren Erlöser? Wann ist er geboren? Das hat er selbst nie preisgegeben, weil es nicht wichtig ist! Heute kann man bestenfalls nach seinem Geburtsdatum spekulieren, aber es ändert nichts an seiner Botschaft. Was wir aber wissen, ist sein Geburtsort Bethlehem (Mt 2:1 ). Nun, mein Geburtsort ist Haunstetten, ein ehemaliger Vorort von Augsburg im Regierungsbezirk Schwaben, Freistaat Bayern, wird aber wohl kaum einen interessieren.

Was wissen wir weiter von ihm? Mit 12 Jahren reiste er wie üblich mit seinen Eltern zum Passahfest nach Jerusalem und wurde dort (versehentlich?) zurückgelassen. In jenem Alter machte ich gerade meine ersten Erfahrungen mit Joints und LSD. Da ich als Kind in die Katholische Kirche wider meiner Erkenntnis hineingetauft wurde, war meine erste Erkenntnis, sobald wie möglich aus diesem heiligen Gesangsverein auszutreten. Schließlich gestattete es das Gesetz erst mit dem vollendeten 14. Lebensjahr diesen Club zu verlassen, was ich auch prompt zu meinem 14. Geburtstag tat. Auf dem Standesamt in Gersthofen erklärte ich meinen Austritt aus den vatikanischen Übeln und sollte (ich war damals noch Schüler) dafür auch noch 20 DM hinlegen. Ohne meine Hose zu öffnen und mich zu entkleiden, konnte ich mich dann doch noch mit dem Popen auf meine letzten 14 DM einigen, mit denen ich mich in die katholische Hölle hineinkaufen konnte. Seitdem wartet auf mich das katholische Fegefeuer und ich werde auch, im Sterben liegend, keine letzte Ölung (mit was die wohl ölen?) mehr erhalten.

Unser Messias arbeitete hart im Betrieb seines Stiefvaters als „Häuslebauer“. Der in Mk 6:3 wiedergegebene Begriff „Zimmermann“ (griechisch „tektōn“) ist da etwas irritierend. Ein „tektōn“ war ein Baumeister und konnte in jener Zeit ein Haus von Grund auf bauen: Mauern (aus Lehmziegeln), Dachgebälk (aus Holz) und wohl auch die passenden Möbel als Tischler. Zum Glück gab es damals noch keine Elektrik, und auch Gas-Wasser-Sch….-Installateure waren noch nicht angesagt. Insofern sollten wir uns alle mal das Bild eines Schönlings mit zarten Händen, langen Haaren und weißer Weste abschminken! Jesus bediente mit Sicherheit keines dieser Klischees! Jes 53:2 … Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn unansehnlich, er gefiel uns nicht! 3 Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet. (Hoffnung für Alle).

Aso, war wohl nix mit Jesus Christ Superstar, der nach heutigen Vorstellungen scheinbar eher bei Heidi Klumpfuss’ „Next Model“ hätte auftreten können.

Nein! Nein! Nein! So war er nicht! Ein Mann, der zu damaligen Zeiten in den Tempel rein ging und die Geldwechsler, Spieler und sonstige Seelenverkäufer einfach mal so aus dem Gotteshaus samt Tischen hinausschmiss war kein Schmierling, wie er heutzutage in Filmproduktionen oder früher schon auf Gemälden vorgestellt wird. Sicherlich hatten sich damals auch Einige der dort ansässigen Zuhälter massiv zur Wehr gesetzt! Dennoch behielt er die Oberhand und die Pharisäer, die zu jenem Zeitpunkt schon versuchten ihn zu ermorden konnten ihm nichts anhaben (Lk 4:28-30)

Aber ich wollte ja eigentlich über mich berichten; entschuldigt mich bitte!

Nun, was den beruflichen Werdegang betrifft, hatte ich schon sehr früh angefangen mir gewisse Kenntnisse anzueignen. Mit 12 Jahren hatte ich meinen ersten offiziellen Ferienjob in einer Schlosserei (mit Lohnsteuerkarte, heute undenkbar!). Der Lohn für eine (oder waren es 2?) Wochen betrug damals 20 Deutsche Mark. Die nächsten Schulferien verbrachte ich in einer Stahlbau-Firma in Königsbrunn. Dort hatte ich die erste Bekanntschaft mit einer FLEX (Die bekannteste Marke eines Winkelschleifers). Es war das große Teil mit 2000 W, das mich beim Einschalten fast mit umgerissen hätte. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, es war damals Pflaumenzeit, als ich nach Feierabend auf meinem selbst gebasteltem Fahrrad (aus Teilen vom Sperrmüll) nach Hause kam. Mutter hatte gerade ein ganzes Blech „Zwetschgendatschi“ gebacken. Nach Verköstigung des ganzen Kuchens begab ich mich schnurstracks ins Bett und meine beiden Schwestern lasten mir wohl heute noch an, dass ich damals nichts für sie übergelassen hatte. Zu den Osterferien war ich auch mal bei einem Fliesenleger. Da gab es 50 Pfennige in der Stunde und nach 2 Wochen Arbeit war ich schließlich der King auf unserem Volksfest. Endlich konnte ich meine über alles geliebte Schulfreundin Evelin zu einer Runde Autoskooter einladen. Ich war so sehr in sie verliebt, ich hätte ALLES für sie getan. Ich wäre sogar für sie „GESTORBEN“.

Aber wäre ich WIRKLICH für sie gestorben? Das sagt man doch oft so: „Für dich würde ich sterben!“ Was hab ich von ihr, nachdem ich gestorben bin? Nichts! Sie vertröstet sich, heiratet vieleicht einen anderen Mann und wenn sie nicht gestorben ist, so lebt sie auch noch heute. Und ich? Ich liege tot in meinem Grab und hoffte bei meinem Ableben, dass ich sie in einer Zukunft wieder treffen kann. Rein und jungfräulich, denn das war sie damals mit ihren 13 Jahren. Inzwischen weiß ich, dass sie schon lange mit einem Türken verheiratet ist, Adresse und Religion unbekannt.

Nun frage ich mich: Wie muss sich unser Messias gefühlt haben? Er STARB für seine Braut!

Er ließ sein Leben in der Zuversicht, dass er eines Tages als Bräutigam zurückkehrt um seine Braut, sein Volk zu heiraten! Er gab sein Leben für Menschen, die schon damals zum Teil Gott den Rücken zugewandt hatten und ihn nicht mehr ehrten. Er war voller Zuversicht, dass seine Braut an Erkenntnis wachsen würde und sich letztlich doch wieder auf die Pfade der Thora zurückbesinnen würde. All die Hurerei würde er seiner Braut vergeben! Welche eine Gnade steckt da hinter? Menschen sind oftmals nicht mal fähig dem Nachbarn wegen einer dummen Bemerkung zu vergeben. Etwaige Fehler des Partners werden nach Jahren noch mal aufgerollt. Geldschulden werden nach Jahren nicht vergessen. Wegen jedem Pieps und Pups wird ein Anwalt bei Seite gezogen. Hatte Gottes Sohn jemals eine Anzeige erstattet? Bei all der Ungerechtigkeit gegen ihn hätte er doch genug Gründe gehabt weltliche Gerichte aufzusuchen. Doch was tat er stattdessen? Lk 6,29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. Was also kümmern wir uns um die Ungerechtigkeit in der Welt, wissen wir doch, dass nur Einer gerecht ist: Zef 3,5 Der HERR ist gerecht in ihrer Mitte und tut kein Arges. Er bringt alle Morgen sein Recht ans Licht; es bleibt nicht aus. So lasst uns denn vergeben einem Jeden, wie auch Gott uns vergibt! Steht das nicht schon im „Vater unser“?

Zef 3,17 Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein.

Wieder abgeschweift, aber wen es interessiert: Weiter zu meinem Lebenslauf.

Mit 18 Jahren konnte ich mich endlich aus den Klauen der Nationalität befreien. Länder und Grenzen waren und sind für mich menschengemachte Territorien, gleich einer Käfighaltung im Zoo. Für mich galt seither: „I’m from Planet Earth“ (Ich bin vom Planet Erde). Nach einer kleinen Erbschaft (6000 und noch was DM) begab ich mich schnurrlefax auf die Reise nach Mexiko um den Spuren von Carlos Castaneda zu folgen. In Guaymas, Sonora, Mexiko wurde ich schließlich von all meinen Kröten, die ich einstecken hatte, entledigt. Ich war noch im Hotel gebucht und konnte somit die letzten beiden Nächte nicht mehr bezahlen (Der dermalige Besitzer möge mir gnädig sein). Was macht man als unerfahrener Neuling (noch dazu deutsch) in einem Land, in dem es noch die Todesstrafe gibt, ohne irgend einen Peso in der Tasche, um das Hotel zu verlassen?

…. Man betet!

Nun hatte ich, aus welchen Gründen auch immer, denn ich war nicht mehr kirchengläubig, ein kleines Büchlein (in Deutsch!) bei mir. Es war das „Neue Testament + Psalmen“ vom Internationalen Gideonbund. An dieser Stelle meinen Dank aus tiefstem Herzen an den Gideonbund. Ihr seht, eure Saat fruchtet in mancher Weise!

Beim Aufschlagen der „Lektüre“ fiel mein erster Blick auf Offb 3,20 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

Mit diesen Worten ging ich zu Bett, schlief wohl voller Sorgen um die Kosten für das Hotel sehr unruhig, und gegen 5 Uhr morgens klopfte jemand deutlich an meiner Tür. Ich öffnete und außer dem schnarchenden Wachmann im Foyer war niemand zu sehen. Das war das Zeichen jetzt zu verschwinden. Ich begab mich aus dem 1. Stock über die Nachbardächer auf die Hauptstrasse, die entweder südlich zurück nach Mexiko City führte oder nördlich in Richtung USA. Entlastet von der Hotelrechnung stand ich nun kurz vor Sonnenaufgang auf einer „Inter Highway“ genannten Straße, auf der keine Autos fuhren.

Mein ERSTES Gebet (in etwa so wiedergegeben): „Lieber Gott! Ich stehe hier vor einem Nichts. Das Hotel will noch Geld von mir, das ich nicht mehr habe. Ich weiß nicht, wenn es dich gibt, dann zeig mir Deinen Weg. Ich stehe hier auf einem Highway ohne Verkehr. Die eine Richtung ist gen Mexiko, die andere Richtung USA. Was immer DU willst, ich werde in beide Richtungen trampen und dem ersten Auto, dass mich mitnimmt, zusteigen.“

Und so kam es, dass ich frühmorgens von einem Bauern mit einem Pick-up Richtung Norden, USA, im wahrsten Sinne des Wortes, aufgepickt wurde und ich auf seiner Ladefläche der Hotelrechnung entweichen konnte. Irgendwo in der Wüste hielt er an und erklärte mir auf Spanisch, das ich damals noch nicht so richtig verstand, dass er jetzt abbiegt in die Pampa und sicherlich bald ein weiteres Auto kommen wird.

Es war inzwischen 11 Uhr, ich stand an einer Highway, die man in Deutschland bestenfalls als gewöhnliche Landstrasse bezeichnen würde, und um mich herum Wüste. Wüste wohin ich schaute und einige niedergewachsene Kakteen. Da verspürte ich zum ersten Mal ein wirkliches Trockengefühl im Mund! „Oh, lieber Gott, wo hast du mich da hin geführt?“ war mein 2. Gebet.

 

 

 

 

 

  • wird fortgesetzt –

 

 

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